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AGATHE unterwegs in Jena













            Ich habe zwar viele Bekannte, aber

              jemanden, der mir wirklich beisteht,


            habe ich nicht



            Die 83-jährige Christa Seidel lebt mit Hund Sally in Jena-Lobeda. Von AGATHEi
            erfuhr sie durch ihren Wohnungsanbieter.


            "Ich bin früher viel gereist. Seit ich 18 war, habe ich   Mit ihrer Wohnung ist sie jedenfalls zufrieden. Auch
            jedes Jahr gespart und bin dann ins Ausland ge-   Einsamkeit sei kein Problem, denn in der Nachbar-
            fahren. Wir sind mit Freunden gewandert, waren in   schaft pflegt Christa Seidel viele Bekanntschaf-
            der Tatra. Ich war so eine richtige alte Reisetante",   ten: "Da wird mal hier geklingelt und mal dort ein
            erinnert sich Christa Seidel stolz. Doch mit dem   Gläschen getrunken. Und wenn von den Nachbarn
            Alter stellen sich Gesundheitsprobleme ein, das   keiner mitkommt, gehe ich auch mal alleine in die
            Gehen fällt schwer. "Ich war immer gesund, bin zu   Gaststätte essen. Da lasse ich mir eine Grüne ma-
            keinem Arzt gegangen. Aber jetzt, seit ich achtzig   chen, das ist so eine Art Berliner Weiße."
            bin, kommt dauernd irgendetwas anderes dazu.      Auch durch ihre Hündin Sally kommt sie regelmäßig
            Es wird immer mehr, was man hat."
                                                              mit den Nachbarn ins Gespräch: "Ich kenne viele
            Aufgewachsen ist Christa Seidel im Erzgebirge, in   hier aus dem Umfeld, manche nicht mit Namen.
            Jena arbeitete sie als medizinisch-technische As-  Einige sprechen mich auch wegen Sally an. Man
            sistentin. Ein Beruf, den sie gerne ausübte: "Ich war   hat viele Kontakte durch den Hund."
            leitende MTA und hab in allen Kliniken gearbeitet:   Christa Seidel lebt schon immer allein. "Vorher hat-
            HNO, Chirurgie, Ohrenklinik, Urologie und Radio-  te ich einen anderen Hund, aber der ist gestorben
            logie. Das ist ein interessanter Beruf gewesen. Ich   als ich in Südafrika war. Jetzt hab ich Sally." Doch
            hatte ein schönes Berufsleben", erzählt sie.
                                                              auch Sally ist schon 16 und nicht mehr die Jüngs-
            Doch nach der Wende habe sie dann irgendwann      te: "Aber sie ist noch topfit und auch nicht inkon-
            ins Automatenlabor gemusst: "Ich habe immer gern   tinent. Wir gehen früh, mittags und nachmittags
            Kontakt zu den Patienten gehabt. Und dort gab es   raus. Aber nur unten auf die Wiese, weil sie nicht
            nur Röhrchen. Da habe ich dann nach zwei Jahren   gern draußen läuft."
            aufgehört."

            In ihrer Hochhauswohnung in Lobeda lebt Christa
            Seidel nun seit 22 Jahren: "Lobeda ist hier entstan-
            den. Das waren die ersten Häuser. Dann haben
            sie alles renoviert, das ganze Innenleben und den
            Fahrstuhl neu gemacht."


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