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AGATHE unterwegs im Ilm-Kreis
Die Leute merken gar nicht,
dass sie einsam sind
Antje Hübel arbeitete als Physiotherapeutin, bevor sie zu Agathe kam. Nun isti
sie als Beraterin im Ilm-Kreis unterwegs.
„Sie müssen jetzt leider wieder aufstehen, in zehn Alleinlebende Menschen über 63 beraten und aus
Minuten ist der nächste dran.“ Diesen Satz wollte der Einsamkeit holen, lautet ihr Auftrag. Doch das
Antje Hübel nicht länger zu ihren Patienten sagen ist alles andere als einfach: „Dass sie einsam sind,
müssen, um ihr tägliches Pensum als Physiothe- geben die meisten Leute gar nicht zu. Viele haben
rapeutin zu schaffen. Kaum hätten sich die Leute sich damit arrangiert. Das ist das eigentlich Trau-
ausgezogen, seien die zwanzig Minuten Behand- rige. Die Einsamkeit gehört so zum Alltag, dass
lungszeit auch schon vorbei. Als sie nach einem be- sie ihnen gar nicht mehr bewusst ist, und dass sie
sonders anstrengenden Tag nach Hause kommt und sich das früher nicht so gewünscht haben, wie sie
die Zeitung aufschlägt, stößt sie auf einen Artikel heute leben.“
über das AGATHE-Projekt im Ilm-Kreis: „Da kriege Als AGATHE-Beraterin besucht Antje Hübel die Se-
ich heute noch Gänsehaut“, erinnert sie sich.
niorinnen und Senioren zu Hause, bietet Beratun-
Ein halbes Jahr später, im November 2021, tritt sie gen an und ein offenes Ohr: „Dann hört man sich
ihre neue Stelle als AGATHE-Beraterin beim Land- in anderthalb Stunden auch mal ein komplettes
ratsamt in Arnstadt an: „Am Anfang war es wirk- Leben an.“ Doch nicht immer ist es leicht, gleich
lich schwierig. einen Zugang zu finden: „Ich kann einfach so lange
zuhören, bis ich der Meinung bin, jetzt hat jemand
Wir hatten kaum Resonanz und ich saß viel am so viel preisgeben, dass man irgendwo ansetzen
Laptop. Ich bin dann in die Arztpraxen gefahren, zu kann.“ Die Zielgruppe seien überwiegend alleinste-
den Physiotherapeuten und dachte mir: Irgendwie hende, ältere Damen. Viele leben im eigenen Haus,
müssen die Leute doch erst mal davon erfahren.“ die Männer verstorben, die Kinder oft weit weg.
Die Seniorinnen und Senioren über Informations-
broschüren oder persönlich adressierte Briefe zu Immer wieder spürt Antje Hübel, wie wichtig AGATHE
erreichen, brachte zunächst nicht den gewünschten für die älteren Menschen in der Region inzwischen
Erfolg. Mehr Zuspruch erfuhr dagegen ein Auftritt geworden ist: „Positiv ist, wenn man mit jemandem
auf dem Wochenmarkt in Arnstadt, erinnert sich gemeinsam geschafft hat, eine Pflegestufe zu be-
Antje Hübel: „Dort einen AGATHE-Stand zu haben, antragen. Denn ganz oben auf der Agenda steht
das ist der Wahnsinn gewesen. Da kamen viele ja, zu verhindern, dass die Leute in eine stationäre
Leute aus dem Umland zum Einkaufen. Wir hatten Einrichtung müssen.“
Trauben von Menschen um uns herum.“
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