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AGATHE unterwegs in Erfurt













            Manchmal bin ich traurig



            Manfred Poppe musste mehrere Schicksalsschläge verkraften, auch finanzielle
            steht es nicht gut. Seinen Lebensmut verliert er trotzdem nicht.

            "Ein kleiner Teddy möcht’ ich sein, nicht größer als   Manfred Poppe hält ein Foto in der Hand, das die
            fünf Mark. Da könnt’ ich immer bei Dir sein, das   beiden strahlend vor dem Hochzeitshaus zeigt.
            wäre bärenstark."                                 "In den letzten zehn Jahren war das mein schöns-
                                                              tes  Erlebnis. Vierzig Leute waren da. Es gibt einen
            Manfred Poppe blickt in die Ecke mit den vielen   ganzen Film über unsere Hochzeit."
            Stoffteddys: "Die habe ich gemeinsam mit meiner
            Frau gesammelt", erzählt er lächelnd. An seinem   Zu DDR-Zeiten arbeitet Manfred Poppe als Drucker.
            Computer schreibt er Gedichte und Geschichten     Nach der Wende fährt er LKW im Fernverkehr, hält
            für Kinder, Teddygeschichten. Einen ganzen Ordner   sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Dann eine
            hat er davon. Veröffentlicht hat er sie nie. Mit Katze   Umschulung zum Netzwerkadministrator, Ein-Eu-
            Wusel lebt er in einer kleinen Neubau wohnung im   ro-Jobs, Hartz IV.
            Erfurter Norden. Mitten im Industriegebiet, im ein-  Als er dann mit 63 vom Jobcenter in den Ruhestand
            zigen Wohnhaus weit und breit. "Ich versuche aus   geschickt wird, ist wenig Rente übrig: "Ich habe zu
            meinem Leben noch was zu machen. Ich versuche     DDR-Zeiten immer gut verdient und in die Zusatz-
            das wirklich."
                                                              rente eingezahlt. Aber das wird nicht angerech-
            Manfred Poppe streicht Wusel über den Kopf. Wusel   net. So geht es wahrscheinlich vielen Leuten in
            ist noch klein, seit zwei Tagen erst bei ihm. "Mir ging   meinem Alter."
            es ganz schlecht, ich habe Suizidgedanken  gehabt.   645 Euro Rente bleiben ihm nun, dazu 150 Euro
            Dann hat meine Schwester eingegriffen und ich     Grundsicherung von der Stadt. Rentenerhöhungen
            habe ein neues Kätzchen gekriegt." Zuvor war Wu-  werden abgezogen. "Zum Leben zu wenig, zum
            sels Vorgängerin gestorben, nach 22 Jahren. "Das   Sterben zu viel", sagt Manfred Poppe resigniert.
            war am Tag der deutschen Einheit. Der Pfarrer hat
            dafür gesorgt, dass sie auf dem Kirchhof begraben   "Frische Sachen kann ich mir gar nicht leisten. Ich
            wird. Er hat selber das Loch ausgehoben und das   lebe von Dosen aus dem Discounter." Zur Tafel will
            Gebet gesprochen."                                er trotzdem nicht: "Um die Selbstachtung nicht zu
                                                              verlieren. Da kann ich nicht über meinen Schatten
            Manfred Poppe ist Mitglied der evangelischen Kirch-  springen und bleibe lieber hungrig, bevor ich das
            gemeinde. Die Religion gibt ihm ein wenig Halt    mache."
            in schwierigen Zeiten. "Ich habe im Frühjahr mei-
            ne Frau verloren. Sie ist nicht tot, aber sie lebt in   Manfred Poppe lebt sparsam, bekam sogar einen
              einem Heim für Menschen mit geistiger Be hinderung.   Teil der Nebenkosten vom Vermieter erstattet. Die
              Schizophrenie und Verfolgungswahn. Ein furchtba-  hätte er nicht ausgeben dürfen, die Stadt verlangt
            res Wort." Zehn Jahre waren sie da erst verheiratet.   die Summe jetzt zurück.


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